Mit seinem neuesten Projekt hat sich der Kölner
Videokünstler Klaus vom Bruch nicht den für ihn
typischen schnellen rhythmischen Schnittfolgen, sondern
starren Stilleben zugewandt. Wie eine Hommage an die
Hollywood-Schönheiten der ersten Farbfilme wirken seine
grossformatigen Porträts ausgewählter Filmstandbilder, die
nun in der Galerie Max Hetzler zu sehen sind. Eine seltsam
irritierende Ahnengalerie: Olivia de Havilland mit ihrem
eigenartig drapierten Kopfschmuck aus blauem Tuch ist
eine moderne Madonna und Ikone vergangener Zeiten
gleichermassen. Shirley McLaine mit ihrem zickigen kleinen
Kompotthütchen erscheint dagegen als vergeblich
lockendes 50er-Jahre-Idol. Die Filmdiven wirken in den
grossformatigen Prints im digitalisierten Rasterverfahren
zeitlos.
Klaus vom Bruch überprüft die ehemaligen
Schönheitsidole wie Kim Novak oder Doris Day und setzt
sie seltsam bewegt in Szene, denn die moderne Technik
erreicht eine flirrend atmosphärische Bildqualität.
Der Arbeitstitel "Loops" weist auf die Endlosschleife hin,
die er als Videokünstler oft in seinen Werken benutzt. Hier
ist sie auf ein Minimum reduziert, und die drei in die
Ausstellung integrierten Monitore geben lediglich den
Sekundenbruchteil einer Bewegung wieder, wie zum
Beispiel die leichte Kopfdrehung Kim Novaks, die
unendlich oft in Zeitlupe wiederholt ein tonloses
Zwischenbild ergibt. Klaus vom Bruch erschafft damit
Wesen aus der Filmretorte, die in modernen technischen
Verfahren Unsterblichkeit erlangen.
Sein riesiges Filmarchiv, das fast alle Dokumente aus der
Zeit von 1936 bis 1948 umfasst, ist im zweiten Teil der
Ausstellung bei
Schipper & Krome zu sehen. Hier begegnet
der Betrachter erneut Olivia de Havilland. Diesmal dreht
sich ihr Kopf wieder und wieder, begleitet von
ohrenbetäubendem Technosound. Dieses Material, das
Klaus vom Bruch in den achtziger Jahren bearbeitete,
erhält im Remix aktuelle Bezüge. Man kann Platz nehmen
auf Speditionskisten, die gleichzeitig als Arena für die
Zuschauer und Sockel für die Monitore dienen.
Eine Zeitreise, die gleichzeitig mit technischen
Möglichkeiten experimentiert und ästhetische Ideale
und
Gewohnheiten hinterfragt.
Christina Wendenburg
Galerie Max Hetzler, Zimmerstr. 89, Mitte.
Bis 15.
August. Di. - Sa. 11 - 18 Uhr.
Preise: 9000 - 40 000 DM.