In der Arbeit Kino entwirft Klaus vom Bruch einen Projektionsraum, der die mechanische Bewegung des Films in eine digitale und virtuelle Bewegung des Videos übersetzt. Auf dem Boden der Galerie drehen sich zwei grosse projizierte Videobildscheiben. Zum harten treibenen Rhythmus eines Trommelschlags setzen sich die Bilder wie Zahnräder in Gang . Sie schwingen sich an und rotierten. Hier tanzen und steppen im Kreis Fred und Ginger. Sie drehen sich sowohl im Tanz um die eigene Achse als auch um die Achse des Bildes und treiben scheinbar mechanisch die zweite Videobildscheibe an. Dort schmelzen die Diven der Musicals dahin und reissen die Münder auf. Zwischen den Ausschnitten dieser fernen Glamourwelt montiert ein Arbeiter in einer Flugwerft im hämmernden Trommelschlag unermüdlich ein grosses Andreaskreuz als Propeller seines Fliegers. Entertainment wird zur Lebensformel, die von den Göttern der Leinwand beschwört wird. Als Priester und Musen entführen sie die Menschen in eine Welt des Glamous, die fern des Gewohnten und Gewöhnlichen liegt. Im Kino, an dem Ort, wo die Kunst dem Leben am nächsten ist, tanzen und singen sie an, gegen die hässlichen Realitäten. Die Bilder der Stars, die in den 40er Jahren den Krieg vergessen lassen sollten, sind bei Klaus vom Bruch zum Idol geworden. Sie sind bildgewordene Ideen einer Zeit, in der die mechanische Bewegung des Kinobildes der Beweglichkeit steuerbarer Empfindungen entsprochen hat. Heute sind diese einstigen Kinobilder dem Zeitalter der elektronischen Reproduzierbarkeit anheimgefallen. Klaus vom Bruch entreisst sie der kommerziellen Verwertbarkeit des Fernsehens und bringt sie in sein Archiv ein, das die Bilder in seinem Sinne ordnet. In manipulierter Form macht er sie sich zu eigen und etablieren sie als Ausdruckswerte seiner Kunst.
    Sassa Trülzsch - 1998